Kurzfassung
Die ländlichen Räume stehen nach dem tief greifenden Strukturwandel der vergangenen Jahre vor neuen Herausforderungen. Insbesondere die demographische Entwicklung einer alternden Gesellschaft, die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit sowie die Globalisierung der Wirtschaft beeinflussen die Lebensverhältnisse der ländlichen Räume. Daher soll das kreative Potential der Menschen in den ländlichen Räumen mobilisiert, ihr Wissen weiter verbessert und die Kräfte in neuen, vor allem öffentlich-privaten Kooperationen gebündelt werden.
Dazu werden Lokale Aktionsgruppen gebildet, die als öffentlich-private Partnerschaften die Entwicklung der ländlichen Räume voran bringen und ihre Zukunft gemeinsam gestalten sollen.
Für die AktivRegion Alsterland haben sich Menschen aus den Kreisen Segeberg und Stormarn getroffen und diese Strategie entwickelt.
Auf vier für Jeden zugänglichen Zukunftswerkstätten wurden in fünf thematischen Arbeitsgruppen die Entwicklungsziele und Handlungsfelder der einzelnen Teilregionen erarbeitet und auf einer Regionalkonferenz eine gemeinsame Strategie verabschiedet.
Zunehmende Alterungsprozesse und Zuzüge aus der Metropolregion werden in den nächsten Jahren die Bevölkerungsentwicklung bestimmen. Die Anzahl der unter 25-Jährigen nimmt ab und die Altersgruppen 60 – 65 sowie 65 Jahre und älter werden stark zunehmen. Die Region liegt günstig in der Metropolregion Hamburg und hat ihre Wirtschafts- und Siedlungsschwerpunkte in Henstedt-Ulzburg, Norderstedt und Ahrensburg. Durch die A1, die A7 und den HVV ist die Region gut zu erreichen. Die AktivRegion Alsterland ist im Vergleich zu Regionen an der Ost- bzw. Nordsee touristisch weniger nachgefragt.
Stärken sind auch das vielseitige Bildungs- und Kulturangebot, die regionalen Produkte, ein gutes Wegenetz, die abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft sowie weitere kulturelle Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten. Durch die demographische Entwicklung steigt zudem das Potential an Ehrenämtlern. Die Region bietet somit die besten Vorraussetzungen, sich zum Naherholungsraum für die Metropolregion zu entwickeln. Auch für die Ansiedlung von Unternehmen und als Wohnort ist die Region durch ihre Lage und Anbindung bestens geeignet.
Schwächen sind aber in vielen Bereichen die fehlende Vernetzung und Koordination. Es besteht auch Handlungsbedarf in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie in der Bildung und Ausbildung.
Die Lagegunst der AktivRegion Alsterland im nördlichen Hamburger Rand eröffnet verschiedene Perspektiven, die die Region zum Teil in Kooperation mit der Stadt Hamburg nutzen will. Ihre Potentiale an Natur und Landschaft, Kultur und Kulturgeschichte, eine hohe Lebensqualität, ihre gute verkehrstechnische Anbindung an die Metropole Hamburg und ihre Vielfältigkeit im Kontrast zwischen städtischen Bereichen und ländlichem Raum zeichnet sie aus, um sich als Naherholungsgebiet und familienfreundlichen Standort zu positionieren. Aus den bisherigen Ergebnissen ergibt sich für die AktivRegion Alsterland folgendes Leitbild, das die Region künftig verbindet und gemeinsam voran bringt:
Leben im Alsterland – das Alsterland erleben
Das Leitbild untergliedert sich in die beiden Entwicklungsschwerpunkte
- Perspektiven schaffen für Familien und Unternehmen
- Das Alsterland erleben und schmecken
Die AktivRegion Alsterland sieht einen Schwerpunkt ihrer künftigen Entwicklung in der Schaffung von Perspektiven für Familien und Unternehmen. Vor dem Hintergrund einer alternden und rückläufigen Bevölkerung soll durch eine stärkere Zusammenarbeit von Unternehmen, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie Kommunen die Attraktivität der Region als familienfreundlicher Wirtschaftsstandort gesteigert werden. Damit sollen vorhandene Familien und Unternehmen gebunden und neue hinzugewonnen werden.
Der zweite Entwicklungsschwerpunkt der AktivRegion liegt in der Entwicklung zu einem Naherholungsgebiet, in dem naturnahe und kulturelle Erlebniswelten gemeinsam entwickelt werden, die alle Sinne der Besucher ansprechen. Dadurch soll das Potential an Erholungssuchenden aus der gesamten Metropolregion und aus Lübeck erschlossen werden. Eine Ausweitung des Einzugsgebiets auf die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist – abhängig von den Angeboten – durch die verkehrsgünstige Lage denkbar.
In den Handlungsfeldern wurden folgende Zielsetzungen vereinbart:
Jugend/Bildung/Arbeit: Bildung wird als Grundlage insbesondere auch der wirtschaftlichen Entwicklung zu einem zentralen regionalen Thema. Durch ein lebenslanges und generationenübergreifendes Lernen soll jedem Einzelnen ein grenzenloser Zugriff auf alle Bildungsangebote gegeben werden. Die Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung in Richtung sozialer Kompetenz wird gefördert. Die AktivRegion Alsterland verfügt künftig über ein bedarfsgerechtes, für alle erreichbares Bildungs-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebot. Die Region wird auch die Landesgartenschau 2011 in Norderstedt dazu nutzen, sich gemeinsam zu präsentieren und zu vermarkten.
Lebensqualität für Jung und Alt: Die AktivRegion Alsterland wird sich zu einer familienfreundlichen und barrierefreien Region entwickeln und hierfür die gemeinsame Lebensqualität durch den Ausbau und die Vernetzung der vorhandenen sozialen Strukturen verbessern. Die regionale Infrastruktur und die Nahversorgung werden soweit entwickelt, dass ein selbst bestimmtes Leben bis ins hohe Alter möglich ist und ein Abwandern der Bevölkerung verhindert werden kann. Junge und alte Menschen werden sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sein.
Generationsübergreifende Angebote und Aktivitäten bilden hierfür die Grundlage. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, werden unterstützt und gefördert. Der demographischen Entwicklung folgend werden Kindergärten und Schulen einer Erweiterung der funktionellen Nutzung unterzogen. Um der zunehmenden Vereinsamung vorzubeugen, werden Wohn- und Lebensangebote entwickelt, die es jedem ermöglichen eigenständig und doch in der Gemeinschaft zu leben. Generationsübergreifendes Zusammenleben wird auf diese Weise wieder möglich sein. Für Kinder und Jugendliche wird es Angebote und Treffpunkte geben, die in erreichbaren Entfernungen ihren Interessen entsprechende Freizeitmöglichkeiten bieten. Sie werden dort vor Ort betreut und beraten.
Kunst und Kultur: Die Region sieht ihre Entwicklung darin, Kultur als Wirtschaftsfaktor zu nutzen und in Zusammenarbeit mit Hamburg eine gemeinsame identitätsstiftende Kulturregion zu schaffen. Hierfür sollen die vorhandenen Angebote optimiert und neue Angebote in Abhängigkeit von der jeweiligen Zielgruppe entwickelt werden. Die kulturgeschichtlichen Zeitzeugen der Landschaft sollen erfasst, gebündelt und zugänglich gemacht werden. Natur und Kultur werden als gemeinsames Erlebnis miteinander verbunden. Ein mit Hamburg abgestimmtes Kulturmanagement stellt eine bessere Zusammenarbeit, Koordination und Vermarktung sicher. Kultur soll als weicher Standortvorteil die Attraktivität nicht nur für Naherholungssuchende, sondern auch für die Ansiedlung von Betrieben und Familien erhöhen.
Wasser, Landschaft, Landwirtschaft, Ländliche Wege: Das wachsende Bewusstsein gesünder leben zu wollen, wird die AktivRegion Alsterland künftig für eine stärkere Vermarktung ihrer regionalen Produkte bis nach Hamburg hinein nutzen. Die Landwirtschaft wird ihre Produktionsprozesse transparenter darstellen und dadurch wieder einen Bezug zur landwirtschaftlichen Erzeugung herstellen bzw. sich ein positiveres Image schaffen. Durch Aufklärungsarbeit wird die Bedeutung der Landwirtschaft für die regionale Wirtschaft und für den Naturschutz bzw. die Landschaftspflege herausgestellt.
Die Natur wird durch entsprechende Maßnahmen z. B. auch der Verbesserung des Zugangs erlebbarer gemacht. Darüber hinaus werden Angebote entwickelt, die die Zusammenhänge im Natur- und Umweltbereich für alle Menschen verständlich darstellen. Die Umweltbildung wird künftig einen sehr viel stärkeren Stellenwert einnehmen.
Freizeit und Naherholung: Die Region wird ihren Standortvorteil in der Randlage zu Hamburg und in der Nähe zu Lübeck nutzen, Naherholungssuchende Städter ins Alsterland zu holen. Das zentrale Zukunftsbild der AktivRegion Alsterland liegt in der Entwicklung zu einem vielseitigen Naherholungsgebiet, das sie in Kooperation mit Hamburg entwickelt. Hierfür sollte ein integriertes regionales und auch überregionales Wegenetz aufgebaut werden, dass es dem Wasserwanderer, Wanderer, Radfahrer oder Reiter ermöglicht die Region in ihrer Vielfalt kennen zu lernen und attraktive Ausflugsziele zu erreichen. Voraussetzung hierfür ist es, dass die touristischen Angebote gebündelt dargestellt und durch eine gemeinsame Vermarktung bekannt gemacht werden. Zielgruppengerechte Angebote erweitern das vorhandene Angebot.
Vernetzte Aktionen, Entwicklung neuer Produkte und eine gemeinsamen Vermarktung sind die Richtlinien der Strategie. Dabei werden auch Kooperationen mit den benachbarten AktivRegionen Holsteins Herz und das Holsteiner Auenland sowie dem Hamburger Stadtteil Wandsbek.
Im November 2008 sind im Rahmen des so genannten EU-Health Checks eine Reihe verschiedener Anpassungen an die Gemeinsame Agrarpolitik beschlossen worden. (VO (EG) Nr. 74/2009). Daraus resultierten zusätzliche Fördermöglichkeiten, die unter der Bezeichnung ‚Neue Herausforderungen‘ oder ‚Zukunftsthemen‘ zusammengefasst werden. Daraufhin ist die IES mit den oben genannten Handlungsfeldern fortgeschrieben worden.
Weitere EU-Fördermittel stehen für den Ausbau ländlicher Kernwege zur Verfügung. Insgesamt sind das für die 21 AktivRegionen für die Jahre 2010 bis 2013 rund 13,25 Millionen Euro. Auch hier ist es für das Abrufen der Mittel erforderlich, die IES fortzuschreiben. Es wird ein Regionales Wegekonzept benötigt und die Wege müssen als Kernwege im Sinne der Studie „Wege mit Aussichten“ der Akademie für die Ländlichen Räume in Schleswig Holstein definiert sein. Ferner sind Projektauswahlkriterien durch die LAG festzulegen.
Die Annahme der Mittel sowohl aus den Bereich der EU-Zukunftsthemen, als auch aus dem Bereich des „Ausbaus des ländlichen Kernwegenetzes“ ist vom Vorstand des LAG AktivRegion Alsterland e.V. positiv beschieden worden.
Zusätzlich hat die Mitgliederversammlung die Aufnahme der Gemeinde Stapelfeld in die LAG Alsterland e.V. beschlossen.
Damit wurde die Fortschreibung der IES erforderlich. Die EU-Zukunftsthemen müssen ebenso wie der Ausbau der ländlichen Kernwege und die Erweiterung der Gebietskulisse in die IES der AktivRegion hinzugefügt werden und Projektauswahlkriterien für die Förderung festgelegt werden.
In der ersten Jahreshälfte 2011 wurde daher die Entwicklungsstrategie fortgeschrieben und im März 2011 vom Vorstand beschlossen. Das Handlungsfeld 4 „Wasser, Landschaft, Landwirtschaft“ ist um den Bereich „ländliche Wege“ ergänzt worden. Hinzugekommen ist das Handlungsfeld 6 „EU-Zukunftsthemen“.
Das Leitbild ist um den Entwicklungsschwerpunkt Zukunftsthemen erweitert worden.